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AG Geschichte

AG Dorfgeschichte Kleinseelheim

Als ich 2011 Ortsvorsteher wurde, erhielt ich von meinem Vorgänger Unterlagen der zurückliegenden 10 Jahre, fragte mich aber, ob auch Dokumente aus früherer Zeit erhalten waren. Eher zufällig erfuhr ich, dass auf dem Dachboden der Kindertagesstätte noch "einiges liegt" und tatsächlich wurde ich dort in einer Ecke fündig. Ich besorgte mir Umzugskartons und packte alles hinein, was dort herumlag. Einiges gab ich auch gleich an die Stadtverwaltung weiter, um z.B. die nahezu komplette "Reichsgesetzgebung" vernichten zu lassen, die zusammen mit vielen Dokumenten zur Ortsgeschichte - teils aus dem 18. Jahrhundert - erhalten geblieben waren. Aber ein Dorfarchiv war es sicher nicht, was dort ungeordnet an diesem völlig unpassenden Ort "entsorgt" worden war.

 

Erste Sichtung des "Dorfarchivs" im Sommer 2014. Teils erschütternde und teils aufheiternde Dokumente werden gesichtet und sortiert.

Die Kartons wurden anschließend an einem trockenen Ort zwischengelagert. Nach mehreren Anläufen hat sich im Sommer 2014 eine kleine Gruppe Kleinseelheimer als AG Dorfgeschichte zusammengetan, um die Unterlagen zu sichten und zu sortieren. Es fällt teils auch heute schwer, die eigene Geschichte aufzuarbeiten.

 

 

 

Dies gilt z.B. für Unterlagen zur Bedeutung der ehemaligen Kleinseelheimer Ziegelei als Zulieferbetrieb für die Munitionsfabriken der NS-Zeit im heutigen Stadtallendorf. Denn auch in der Kleinseelheimer Ziegelei mussten Kriegsgefangene arbeiten. Unter anderem wurden die Arbeitskommandos mit den Nummern 1109 (Franzosen), 1654 (Franzosen), 1908 (Franzosen), 1918 (Jugoslawen), 1919 (Belgier, Franzosen, Serben), 1936 (Franzosen) und 1938 (Franzosen) in Kleinseelheim eingesetzt. Außerdem sind die Namen und Herkunftsorte einiger in Kleinseelheim eigesetzter Kriegsgefangener bekannt: Josef Spychala (Tarof), Michael Switlinski (Duliby), Stanislaus Szychowiak (Neudorf), Stanislaus Welnitzki (Rensdorf), Josef Wosznick (Alexandrowek), Stefan Godlewski, Wladislaus Gruszka (Wilkowice), Stanislaus Jadczuk (Repki), Anton Krawczyk (Paczenczewo), Boleslau Kuczun (Hrty), Josef Markowski (Przemysl), Michael Mrowka (Palczewo), Wladislaus Ratkowski (Bromberg) und Wladislaus Rutkowski.

 

Und nicht nur in der Ziegelei, sondern auch in Landwirtschaftsbetrieben arbeiteten damals Kriegsgefangene (Arbeitskommando Nummer 1090; Franzosen) und sog. Zivilarbeiter. Nicht alle verließen lebend den Ort, so etwa der Franzose Louis Cayroche aus Marvejols, der an "Blutvergiftung infolge von Infektion" verstarb, und der Pole Josef Bednatz, der sich in einem Landwirtschaftsbetrieb erhängte.

 

Rainer Waldhardt (Ortsvorsteher Kleinseelheim)

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Die AG Dorfgeschichte wird im Zuge der Aufbereitung der o.g. Unterlagen Kontakt mit dem Staatsarchiv und weiteren Stellen aufnehmen.

 

Darüber hinaus organisierte die AG zum Dorffest 2015 eine zweite Ausstellung zur Dorfgeschichte. Während der 1225-Jahrfeier Kleinseelheims im Jahr 2004 war eine Ausstellung zum Thema "Kirchenjahr" zusammengestellt worden. Die Ausstellung 2015 widmete sich zwei Themen des weltlichen Lebens in Kleinseelheim:

- die Geschichte von Grundschule und Kindergarten

- Landwirtschaft im Wandel der Zeit

 

Seit der erfolgreichen Ausstellung im Rahmen des Dorffestes 2015 geht die AG weiteren Aspekten der Geschichte des Ortes nach. Dabei ist die AG Dorfgeschichte offen für weitere interessierte Kleinseelheimer. Wer in der AG mitmachen möchte, wendet sich bitte an Maike und Helmut Zinkan im Sandweg 24.


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