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Feuerwehr

Geschichte und Entwicklung der Feuerwehr Kleinseelheim

Brandschutz in früheren Zeiten
Die Brandgefahr war früher deutlich größer als heute. Gründe dafür waren die Bauweise der Gebäude und die notwendigen offenen Feuerstellen, die auch der Beleuchtung dienten. Alle Dächer waren mit Stroh gedeckt und die Gebäude aus Holz und Lehm gebaut, sodass nicht selten Häuser, Höfe oder sogar ganze Dörfer oder Städte brannten. So brannte z.B. Marburg in den Jahren 1261 und 1369 ab, Frankenberg im Jahr 1476, Gemünden im Jahr 1583 und Wetter im Jahr 1649.

Um dieser großen Gefahr entgegen zu wirken, gab Landgraf Philipp von Hessen schon im Jahr 1524 eine Verfügung heraus, dass die Häuser nicht mehr mit Stroh, sondern mit Ziegeln gedeckt werden sollten. Mit staatlicher Hilfe wurden daraufhin in Gemünden und Rauschenberg die ersten Ziegelhütten gebaut und im Jahr 1545 in Betrieb genommen. Im Jahr 1567 wurde eine Feuerordnung von Wilhelm VI., Landgraf von Hessen, zur Feuerverhütung und Brandlöschung veröffentlicht, die aber erst im Jahr 1637 verordnet wurde. Eine praxisorientierte Feuerverordnung wurde im Jahr 1739 von Friedrich II., Landgraf von Hessen Kassel, herausgegeben. Hierin ist u. a. zu lesen:

  • Neu erbaute Häuser durften nur noch mit einer Sondergenehmigung mit Stroh gedeckt werden.
  • In den Häuser mussten durchgehende Schornsteine angelegt werden.
  • Futtervorräte, Heu und Stroh sollten nicht an feuergefährlichen Stellen lagern.
  • Glühende Asche und Feuerstellen mussten mit eisernen Platten oder Steinen sicher abgedeckt werden.
  • Tabakrauchen und offenes Feuer in Ställen und Scheunen wurde verboten.
  • Jeder Hausbesitzer musste eine mit Glasscheiben umschlossene Laterne haben und einen ledernen Wasserfeuereimer zur Verfügung stellen.
  • Die Gemeinden mussten Spritzen, Hacken, Feuerhaken, Feuerleitern und lederne Wasserfeuereimer anschaffen.
  • Bei Feueralarm hatten alle wehrfähigen Männer zwischen 20 und 45 Jahren am Brandherd zu erscheinen.

Nach einem Regierungsschreiben von 1819 werden bei Ausbruch eines Brandes folgende Mannschaften eingeteilt:
1. Rettungsmannschaft
2. Löschungsmannschaft
3. Spritzenmannschaft
4. Brandwache zur Sicherung des Eigentums und zur Erhaltung der Ordnung
5. Feuerreiter zur schnellen Einholung von Spritzen aus anderen Orten

Feuerwehr Kleinseelheim
Bereits vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Kleinseelheim war der Brandschutz auf der Grundlage des o.g. Regierungsschreibens von 1819 in einer Pflichtfeuerwehr organisiert. Der älteste Beleg hierfür ist eine Aufstellung der Mannschaftsstärke und der Feuergerätschaften aus dem Jahr 1832. Hier ist zu lesen, dass es insgesamt 46 Feuerwehrmänner gab, die in die folgenden Gruppen eingeteilt waren:
10 Mann Rettungsmannschaft
10 Mann Löschungsmannschaft
18 Mann Spritzenmannschaft
4 Mann Brandwache
4 Mann Feuerreiter bzw. Läufer (Melder)

An Feuergerätschaften wurden vorgehalten:
Eine große Spritze, 20 Feuereimer, 2 Leitern, 2 Haken und eine Laterne.

Die Richtigkeit der Angaben wurde vom Schultheiß Boßhammer bestätigt.

Die Feuerwehr in Kleinseelheim blickt somit auf eine über 170jährige Geschichte zurück.

Freiwillige Feuerwehr Kleinseelheim
Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Kleinseelheim geht nach mündlichen Überlieferungen auf das Jahr 1933 zurück. Einziger schriftlicher Beleg ist eine Protokollbucheintragung der Gemeindevertretung Kleinseelheim vom 14.06.1933 in der die FFW Kleinseelheim einen Antrag zur Anschaffung von Steigergurten gestellt hat. Andere Urkunden sind in den Wirren der Kriegsjahre und in der Nachkriegszeit scheinbar verloren gegangen. Erster Ortsbrandmeister der FFW war Konrad Nau, er und die 18 weiteren Gründungsmitglieder haben den Grundstein der heutigen Freiwilligen Feuerwehr in Kleinseelheim gelegt. Kurz nach der Gründung stieg die Zahl der aktiven Feuerwehrkameraden auf 32 an.


Als Löschgeräte dienten anfangs eine von Pferden gezogene Saug- und Druckpumpe sowie eine tragbare Druckspritze. Beide fielen während des zweiten Weltkrieges der Altmaterialsammlung zum Opfer. In der Zeit der NS-Herrschaft wurde das Feuerwehrwesen neu geordnet, der Übungsdienst beinhaltete u.a. das Exerzieren und die Wahrnehmung von Aufgaben des Luftschutzes und des Rettungsdienstes. Diese "Neuordnung" führte so weit, dass die Freiwilligen Feuerwehren als "Feuerschutzpolizei" unter die Aufsicht der Polizei gestellt wurden. Im Jahr 1937 wurde die erste motorgetriebene Tragkraftspritze TS 4/6 angeschafft, die 30 Jahre lang ihren Dienst versah. Da in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 der größte Teil der Feuerwehrmänner als Soldaten an der Front stand, wurde eine "Ersatzfeuerwehr" aus 16 bis 17jährigen Jugendlichen und älteren Männern gebildet. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden aber auch diese noch zur Wehrmacht bzw. zum Volkssturm eingezogen, sodass von einer einsatzfähigen Feuerwehr keine Rede mehr sein konnte.


Der Wiederaufbau der Feuerwehr nach 1945 gestaltete sich schwierig, da viele Feuerwehrkameraden gefallen oder in Gefangenschaft geraten waren. 1950 legte Ortsbrandmeister Konrad Nau sein Amt aus Altersgründen nieder. Sein Nachfolger wurde Johannes Emmerich. Die Gesamtstärke der Einsatzabteilung betrug damals etwa 20 Mann.


Am 30. März 1951 kam es zu einem Großbrand der Maschinenhalle von Lohndrescher Deubel. Zu dieser Zeit gab es in Kleinseelheim noch keine öffentliche Wasserversorgung und das Löschwasser musste vom Feuerlöschteich bis zur Einsatzstelle gefördert werden. Bei diesem Brand wurde von den Feuerwehren Kirchhain und Großseelheim nachbarschaftliche Löschhilfe geleistet.


Im Jahr 1952 wurde von der Gemeinde Cölbe ein gebrauchter Tragkraftspritzenanhänger gekauft.


1960 brannte die Scheune von Landwirt Weber. Durch den schnellen und gezielten Einsatz konnte ein Übergreifen des Feuers auf das Stallgebäude des Nachbargehöftes Herbener verhindert werden.


Am 26. Dezember 1962 fielen bei einem Großbrand die Scheune und die Stallung von Konrad Klingelhöfer dem Feuer zum Opfer. Das Übergreifen des Feuers auf das Wohngebäude konnte durch den Einsatz der Feuerwehr auch hier verhindert werden.


Im Jahr 1964 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus am Löschteich gebaut.


1966 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet, erster Jugendfeuerwehrwart war Willi Bingel.


Im Jahr 1967 wurde eine neue moderne Tragkraftspritze TS 8/8 angeschafft.


Nach 20 jähriger Tätigkeit als Ortsbrandmeister legte Johannes Emmerich 1970 sein Amt mit Erreichen der Altersgrenze nieder. Als Nachfolger wurde Heinrich Lauer gewählt.

Durch die Gebietsreform wurde Kleinseelheim 1971 als Stadtteil an die Stadt Kirchhain angeschlossen. 1972 erhielten die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Kirchhain neue Satzungen für die Einsatzabteilung und die Feuerwehrvereine. Als Wehrführer der Einsatzabteilung und als 1.Vorsitzender des Vereins wurde Heinrich Lauer gewählt.

Durch eine Landesbeschaffungsaktion zur Motorisierung der Feuerwehren wurde in 1973 ein Tragkraftspritzenfahrzeug TSF angeschafft.

 

Im Jahr 1974 wurde das 40jährige Bestehen der FFW Kleinseelheim gefeiert und das Vereinsbanner angeschafft.


Am 16. Mai 1981 brannte die Scheune von Gastwirt Kaiser. Eine Ausbreitung des Brandes konnte mit Hilfe der Kirchhainer Feuerwehr verhindert werden.

Im Dezember 1983 leistete die FFW Kleinseelheim den Kirchhainer Feuerwehrkameraden beim Großbrand der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain gemeinsam mit den anderen Einsatzabteilungen der Stadtteilwehren nachbarschaftliche Löschhilfe.

In den Jahren 1984 und 1985 wurde ein Anbau an das Feuerwehrgerätehaus in Eigenleistung erstellt. Hierdurch konnte der Wunsch der Feuerwehrkameraden nach einem Unterrichts- und Aufenthaltsraum erfüllt werden.

Im Jahr 1992 legte Heinrich Lauer seine Ämter als Wehrführer und 1. Vereinsvorsitzender nach über 20 Jahren nieder, sein Nachfolger in beiden Ämtern wurde Hermann Klingelhöfer.

Seit Beginn der 90er Jahre wurden die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren immer stärker durch Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen und Unwettereinsätzen geprägt. Beispiele hierfür sind zwei schwere Verkehrsunfälle, einer am 23. April 1995 bei dem in 3 Fahrzeugen 5 Personen zum Teil schwer verletzt wurden, der andere am 02. März 1996 bei dem eine Person tödlich verunglückte.

1995 wurde das TSF aus dem Jahr 1973 durch ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit 500 l Wassertank und Schnellangriffseinrichtung ersetzt.

Im Jahr 1996 legte Hermann Klingelhöfer seine Ämter als Wehrführer und 1. Vereinsvorsitzender nieder.


Seit 1997 ist Rainer Götzl Wehrführer und 1.Vereinsvorsitzender der Freiwillige Feuerwehr Kleinseelheim.

Am 06. Februar 1997 leistete die FFW Kleinseelheim gemeinsam mit den Kameraden aus Schönbach und Kirchhain nachbarschaftliche Löschhilfe bei einem Großbrand einer Scheune mit Stallungen in Großseelheim.

Ein weiterer Großbrand ereignete sich am 22. April 1997. Die Scheune von Hubert Bopp wurde trotz der Unterstützung durch die Feuerwehrkameraden aus Kirchhain, Großseelheim und Schönbach erheblich geschädigt.

Im Jahr 2002 kam es bei ungewöhnlich starken Unwettern zu zwei Großeinsätzen in Kleinseelheim. Am 01. August waren die Feuerwehrmänner an 6 Einsatzstellen tätig, am 28. August sogar an 8 Einsatzstellen.

Für die Zukunft wünscht sich die Freiwillige Feuerwehr Kleinseelheim, dass noch mehr Bürger und Bürgerinnen die Bedeutung des örtlichen Brandschutzes erkennen und sich aktiv dieser gemeinnützigen Aufgabe stellen.

 

Internetseiten der Kleinseelheimer Feuerwehr:

http://www.feuerwehr-kirchhain.de/2015/index.php/standorte-stadtteile/kleinseelheim

 

Kontakt:

Rainer Götzl

Sandweg 21

35274 Kirchhain-Kleinseelheim


For technical questions contact: Admin | Last Update: 05.02.17